Leseprobe „Alte Kameraden“

Ein Mann, scheinbares Alter Anfang fünfzig, steht mit dem Rücken vor einer Fensteröffnung in einem großen Raum. Diese Halle wurde wahrscheinlich früher einmal als Werkstatt oder Lager genutzt. Nach ihrem derzeitigen Zustand ist das allerdings schon Jahrzehnte her. Es sieht alles sehr verwahrlost und nicht mehr gebraucht aus. Verfallene Regale oder Regalteile stehen oder hängen stellenweise noch in einem maroden Zustand an den Wänden. In der Mitte stehen alte kaputte Tische und daneben leere Holzkisten. Die wurden sicherlich für die Verpackung benutzt. Es riecht überall nach Dreck und alten Ölen oder Fetten. Für jeden Menschen ist das ein Ort, an dem man nicht sein möchte. Im Gegensatz dazu der Mann, der bestimmt nicht freiwillig dort steht. Sein eleganter Anzug, der garantiert nicht von der Stange ist, zeigt, dass er finanziell keinerlei Sorgen hat. Die missliche Lage, in der er sich befindet, scheint ihm aber große Sorgen, ja sogar wahnsinnige Angst zu machen. Er versucht, unter dem mit Panzertape umwickelten Mund zu schreien, aber nur gedämpfte und unverständliche Laute kann er gequält hervorbringen. Seine Hände sind mit Kabelbinder auf dem Rücken gefesselt und an einem dicken Eisenrohr unter dem Fenster fixiert. Daran sind auch seine Füße, ebenfalls mit einem Kabelbinder, gefesselt. Er versucht seine Hände mit Gewalt aus den festgezogenen Fesseln zu befreien. An den Handgelenken läuft schon Blut herunter. Die Haut ist durch diese Aktion tief eingeschnitten. Sein gesamter Körper bebt und die Muskeln spannen sich an bei den Befreiungsversuchen. Angstschweiß steht auf seiner Stirn und läuft in kleinen Rinnsalen über und in seine Augen, die er weit aufgerissen hat. Um den Hals hat er eine Schlinge aus einem dünnen Stahlseil, dessen langes Ende aus der Fensteröffnung nach draußen hängt. Das Fenster ist nicht verglast, hat aber außen ein übermäßiges, scheinbar stabiles Gitter.

<<zurück